Aktionen Interessengemeinschaft Flüchtlingshilfe OT Lang-Göns

Wortkaffee

Flüchtlinge

Deutsch lernen in herzlicher Atmosphäre  - „Wortkaffee“ für Flüchtlinge ist erfolgreich gestartet

Lang-Göns (ikr). "Mir gefällt es hier besonders gut, Deutsch zu lernen", sagt der 23-jährige Kiflom mit einem strahlenden Lachen. Der junge Eritreer ist einer der Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea, die in der Gemeinschaftsunterkunft in Lang-Göns leben. Er kommt regelmäßig in das "Wortkaffee", das am Montagnachmittag und am Donnerstagvormittag für jeweils zwei Stunden in der Langgönser Seniorenwerkstatt öffnet. Hier treffen sich seit März ein knappes Dutzend Flüchtlinge mit etwa ebenso vielen ehrenamtlichen Helfern, um ihr bereits erlerntes Deutsch noch weiter zu verbessern. Dann können auch wichtige Alltagsdinge wie Einkaufen, Bus-/und Zugfahren, Arztbesuche, Freizeitaktivitäten, Schule und Beruf besprochen werden. Es ist Hilfe zur Selbsthilfe, die durch das Diakonische Werk (DW) Gießen in Kooperation mit der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Lang-Göns Anfang des Jahres angestoßen wurde. Mittlerweile organisieren sich die hilfsbereiten Bürger selbst, einige kommen sogar aus Nachbargemeinden, und alles klappt hervorragend. Bei einem Besuch im "Wortkaffee" fällt gleich die entspannte und freundschaftliche, fast schon familiäre Atmosphäre zwischen den überwiegend jungen Leuten und ihren heimischen Betreuern auf: Man kennt sich schon gut und freut sich auf die Arbeitstreffen - und das gilt für beide Seiten. Die Flüchtlinge lernen hier nicht nur Deutsch, sondern sollen zugleich in die Dorfstruktur integriert werden. Und was motiviert ihre ehrenamtlichen Betreuer? "Mir ging es um ein gegenseitiges Kennenlernen. Als das Wortkaffee an den Start ging, fanden gerade die Pegida-Demonstrationen statt. Das hat mich mit so viel Scham und Abscheu erfüllt, dass ich ein starkes Bedürfnis hatte, auf die Flüchtlinge zuzugehen und mit ihnen etwas Konstruktives zu machen", sagt Philipp Gries aus Großen-Linden. "Die Begegnungen funktionieren erstaunlich gut. Die jungen Männer sind sehr engagiert, wir kommen gut ins Gespräch", erzählt der Betreuer. Diese Einschätzung bestätigt auch Anke Volkmann, die zur großen Freude der Besucher immer ihren Hund Lilly mitbringt: "Ich mache mit, weil ich die Notwendigkeit sehe, diese Menschen zu integrieren. Sie sind unheimlich nett und angenehm, und sie geben sehr viel zurück!" Elfriede Völkner sagt: "Deutsch ist eine schwere Sprache, wenn man sie nicht als Muttersprache hat, das habe ich hier festgestellt." Man müsse sehr individuell arbeiten, wobei eine Eins-zu-Eins-Betreuung das Beste sei, findet sie. Dr. Hedwig Waldmann-Klement freut sich, dass  sie mit einer Flüchtlingsfrau auch auf Italienisch kommunizieren kann und dass einige sogar die katholische Kirche besuchen. Die Betreuer des Wortkaffees treffen sich einmal im Monat und sprechen die Themen ab. Inzwischen umfasst die Materialsammlung schon einige Ordner, "jetzt bekommt alles langsam Struktur", sagt Gerd Lengler.  Er war maßgeblich bei der Einrichtung des Angebotes beteiligt  und engagiert sich nicht nur im Wortkaffee für die Flüchtlinge. Er sagt; "Ich bin froh, dass wir hier in relativ kurzer Zeit so viele Bürger gewinnen konnten, die hoch motiviert und voll dabei sind!"

Fotos: Rieger , Quelle: Ev. Gemeindebrief Juli 2015

Bildunterschrift Gruppenbild: Betreuer und Besucher des Wortkaffes beim Erinnerungsfoto – inklusive einem vierbeinigen Gast.